2. Transparenz: Bessere Information durch Beratung

Jede Person, deren Asylgesuch in einem Bundeszentrum behandelt wird, hat nach dem revidierten Asylgesetz Anspruch auf Verfahrensberatung (Art. 102f und 102g rev. AsylG). Der oder die Berater/in ist der erste Rechtschutzakteur, mit welchem die Asylsuchenden in Kontakt treten, und steht diesen während des gesamten Verfahrens jederzeit als Ansprechpartner/in zur Verfügung. Ihre Aufgabe ist es, die Asylsuchenden über ihre Rechte und Pflichten im Verfahren zu informieren.

Insgesamt trägt die Tätigkeit der Beratung erheblich zur Transparenz der Verfahren für die Asylsuchenden bei. Die Beratung vermittelt insbesondere Informationen über den Ablauf des Asylverfahrens sowie über die beteiligten Akteure. Die Asylsuchenden können sich so sehr früh darauf einstellen und vorbereiten, was sie im Verfahren erwartet und sie werden in diesem komplexen Kontext befähigt, selbständig und informiert Entscheidungen zu treffen und zu handeln. Zudem ermöglicht es der frühe und regelmässige Kontakt zwischen Asylsuchenden und Beratung besonders verletzliche Personen rasch zu erkennen und adäquat zu unterstützen. Nicht zu unterschätzen ist zudem der Effekt, den die frühzeitige Beratung als vertrauensbildende Massnahme hat.

Eine spezielle Rolle kommt der Beratung bei der Information zur oft entscheidenden Bedeutung von Originaldokumenten im Asylverfahren zu. Hier kann die Beratung die Asylsuchenden bei der regelmässig schwierigen Beschaffung von Beweismitteln aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat unterstützen und damit auch erheblich zum reibungslosen Ablauf des Asylverfahrens beitragen.

Nicht nur die Asylsuchenden profitieren von der Beratungstätigkeit, sondern auch die anderen beteiligten Akteure. Insbesondere für die Rechtsvertreterinnen und -vertreter stellt die Erstberatung eine wesentliche Hilfe dar. Sie verfügen dank der Beratung ab Mandatsbeginn über die wichtigsten Informationen zur persönlichen Situation der Asylsuchenden (z.B. zum Alter, zur Gesundheit oder zur Familienkonstellation). Sie werden zudem durch die Komplementarität von Rechtsvertretung und Beratung entlastet, etwa bei der erwähnten Beschaffung von Beweismitteln. Zudem werden in der Beratung soziale und rechtliche Aspekte thematisiert, die nicht direkt mit dem Asylverfahren zu tun haben, für die Asylsuchenden aber von entscheidender Bedeutung sind (wie beispielsweise die Sorge um die eigene Familie im Herkunftsstaat). So kann sich die Rechtsvertretung stärker auf ihre Kernaufgabe, die Vertretung im Asylverfahren, konzentrieren.

Auch für das Staatssekretariat für Migration (SEM) bedeutet die Beratung eine Hilfe. Mit ihrer Unterstützung wird beispielsweise sichergestellt, dass die Asylsuchenden über die zentrale Bedeutung von verlässlichen Informationen zur Person und von korrekten und vollständigen Informationen über die Lebens- und Fluchtgeschichte frühzeitig und umfassend informiert sind. So kann auch die Beschaffung notwendiger Dokumente und Beweismittel rasch eingeleitet werden, wodurch bessere Entscheidungsgrundlagen entstehen.

Nicht zuletzt wird auch das Betreuungspersonal entlastet, das in den bisherigen Strukturen häufig mit rechtlichen und praktischen Fragen zum Asylverfahren und zu weiteren Aspekten des Aufenthalts in der Schweiz konfrontiert wird. Die Beantwortung solcher Fragen gehört aber nicht zum Aufgabenbereich von Betreuungspersonal in den Unterkünften und liegt oft auch nicht in dessen Fachkompetenz.

Insgesamt werden die Bereiche Beratung, Betreuung und Asylverfahren durch den neu vorgesehenen Rechtschutzakteur sachgerecht voneinander getrennt und damit deutlich professionalisiert.