«Das Warten macht Flüchtlinge kaputt»

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Der syrische Musiker Bahur Ghazi (Bild: Soblue Weina)

Am 5. Juni 2016 stimmt die schweizerische Stimmbevölkerung über das revidierte Asylgesetz ab. Kernanliegen der Revision ist die Beschleunigung der Asylverfahren, bei gleichzeitiger Wahrung von Rechtsstaatlichkeit und Fairness.

Schnellere Verfahren – unter der Voraussetzung, dass diese korrekt und fair ablaufen – sind im Interesse aller Beteiligten. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Asylsuchende nicht mehr jahrelang mit der Unsicherheit leben müssen, ob sie in der Schweiz bleiben können oder nicht.

Wie belastend das lange Warten auf einen Asylentscheid sein kann zeigt das Beispiel des syrischen Musikers Bahur Ghazi. Er kam 2011 in die Schweiz – und musste vier Jahre lang warten, bis er den Status eines vorläufig Aufgenommenen erhielt. «Das Warten macht Flüchtlinge kaputt, sagt Ghazi. Jede Sekunde fühle sich an wie ein Jahr – und «so viel Zeit vergeht für nichts.» Als direkt Betroffener ist Ghazi überzeugt, dass schnellere Asylverfahren im Interesse aller Beteiligten sind. Das würden bedeuten, dass sich Schutzbedürftige viel schneller integrieren könnten: «Sie könnten die Sprache lernen, das System verstehen und arbeiten.» Und dies – so ist Ghazi überzeugt – läge auch im Interesse der Kantone, der Gemeinden, der Sozialämter.

Die vier Jahre, in denen er auf seinen Asylentscheid warten musste, seien «verlorene Jahre gewesen», sagt Ghazi. Tatsächlich sind Asylsuchende während ihres Verfahrens praktisch zur Untätigkeit gezwungen, da der Zugang zum Arbeitsmarkt, zu einer Lehre und zu Schulbildung stark eingeschränkt ist. Ghazi sieht dies als ein zentrales Problem: Es gebe viele fähige Leute, Ärzte, Künstler, Wissenschaftler, die über Jahre hinweg ihren Beruf nicht ausüben könnten – das führe dazu, dass sich die Asylsuchenden nicht respektiert und damit nicht als anerkannter Teil der Gesellschaft fühlen.

Schnellere Asylverfahren sind kein Wundermittel für die Integration. Sie stellen aber eine wichtige Grundlage für eine erleichterte Integration dar, weil schutzbedürftige Menschen wie Bahur Ghazi nicht mehr jahrelang auf ihren Asylentscheid warten müssen und sich rascher in den Arbeitsmarkt und in die Schweizer Gesellschaft integrieren können.